Jenny Casetti, wie können Museen nachhaltiger werden?

Jenny Casetti ist Co-Geschäftsführerin von "Happy Museums", einem Netzwerk, das nachhaltiges Ausstellen fördert. Im Interview spricht sie über die Rolle der Museen im Kampf gegen den Klimawandel und, dass daraus eine Bewegung entstehen kann.

Jana   •   30.09.2022

 

Was ist die Motivation von Happy Museums?
Wir haben gemerkt, dass die Motivation sich klimapositiv zu verhalten im Museumssektor sehr gross ist – und es wird auch schon viel gemacht! Das Problem ist nur: Man weiss selten voneinander und von den Bemühungen der anderen. Diese Lücke möchten wir mit Happy Museums schliessen. Wir möchten eine Community bilden, in der Wissen und Erfahrungen unter den Museen geteilt werden können.

 

Welche Rolle spielen Museen im Kampf gegen den Klimawandel?
Museen vermitteln – ob Historisches oder Aktuelles. Wir glauben, dass Museen durch ihre Vermittlerrolle auch beim Klima ein riesiges Potenzial haben. In der Schweiz haben wir jedes Jahr über eine Millionen Besucher*innen in über 1000 Museen. Da ist es wichtig, dass die Museen als Vermittler*innen Nachhaltigkeit unbedingt mitdenken – und da gibt es viele Stellschrauben, an denen man drehen kann.

 

Welche Herausforderungen gibt es bei eurer Arbeit?
Die Ressourcen der einzelnen Museen sind sehr unterschiedlich, so wie die Museen selbst. Das führt natürlich auch zu Unterschieden in den Anforderungen und Herausforderungen. Da spielen die Exponate eine Rolle, die unter gewissen klimatischen Bedingungen gelagert werden müssen. Das bedeutet für ein modernes Gebäude natürlich etwas Anderes, als für ein denkmalgeschütztes Gebäude. Auch bei den Teamgrössen der Museen gibt es Unterschiede, was natürlich die Kapazitäten beeinflusst sich einem Thema zu widmen. Aber wir bemerken durch alle Akteur*innen hindurch, dass das Community Building sehr geschätzt wird. Viele suchen nach Sparring Partnern und Austausch beim Thema Nachhaltigkeit. Es könnte sogar zu einer Bewegung werden.

 

Wie können die Museen sich beispielsweise gegenseitig unterstützen?
Man kann sehr schöne Denkanstösse geben, beispielsweise beim Materialverbrauch. Die heutige Zeit ist auch für Museen schnelllebig. Wenn man beispielsweise alle drei Monate neue Veranstaltungen und Ausstellungen planen muss, entsteht ein hoher Materialverbrauch, seien es Möbel, Aufsteller oder sonstige Materialien. Wenn die Menschen zusammenkommen, sich vernetzen und Allianzen schmieden, entsteht eine neue Planbarkeit, mit der man einer Materialverschwendung entgegenwirken kann. Uns geht es darum, alle Akteur*innen der Wertschöpfungskette zusammenzubringen und Raum für nachhaltige Planung zu schaffen.

 

Community ist auch ein zentrales Thema für Clima Now – wir möchten gemeinsam mit möglichst vielen Menschen Klima-Lösungen vorantreiben. Ein wichtiger Hebel dafür ist unser Wettbewerb Spotlight, bei dem du am 06.10. die Keynote hältst. Was verbindest du mit dem diesjährigen Thema „Rethinking the Impact of Art – Climate ARTivists wanted”?
Ich denke es ist wichtig, da über diesen Weg Menschen erreicht werden können – durch einen Zugang zur Kunst oder durch die Kunst selbst. Das schwingt bei unserem Projekt auch mit: Dass man Menschen erreichen kann. Und ich glaube, dass Kunst dort die Kraft hat auch über Emotionen ganz andere Reflexionsprozesse anzuregen. Ich glaube auch, dass Kunst den Vorteil hat, dass sie langfristig die Menschen bewegen kann. Zudem gibt sie einen Spielraum, innerhalb dessen man experimentieren kann und Dinge anders und neu denken kann.

Spotlight Pitch Night am 06.10.

„Rethinking the Impact of Art: Climate ARTivists wanted“ – unter diesem Motto findet der diesjährige Spotlight Wettbewerb statt. Am 06.10. werden die 7 Finalist*innen ihre Ideen vor Publikum und im Livestream präsentieren. Die Jury und das Publikum werden entscheiden, welche Idee wie viel Unterstützung für ihre Realisierung bekommt. Und übrigens: Jenny wird eine Keynote halten – also nicht den Livestream verpassen!

Jenny Casetti und Happy Museums

Jenny Casetti ist seit eineinhalb Jahren Co-Geschäftsleiterin von «Happy Museums – Nachhaltigkeit konkret». Das Netzwerk Happy Museums geht das Thema Nachhaltigkeit in den Museen der Schweiz durch Communitybuidling, dem Austausch von Best Practice und dem bereitstellen von unterschiedlichen Tools an.